Ein Blick vor und hinter die Kulissen(ca. 3 Minuten Lesezeit)

Ulrich Hartmann mit Besuchergruppe.

Hausherr Ulrich Hartmann hat über das Schlössle erzählt. Foto: Sabine Armbruster.

Steinheim-Höpfigheim Albrecht Leize hat wieder zu einer Führung durch den Ort eingeladen.

Selbst alteingesessene Höpfigheimer haben am Sonntagnachmittag bei der Führung mit Albrecht Leize vom Schlössle- und Geschichtsverein noch etwas Neues über „unser geschichtsträchtiges Höpfigheim“, so Leize, erfahren und hatten dabei die Gelegenheit, auch Örtlichkeiten zu besichtigen, die sonst nicht zugänglich sind. Unter den 18 Gästen, die an der Führung teilnahmen, waren auch zwei Amerikaner, die den gut zweistündigen Gang durch die alten Gassen offenkundig ebenfalls spannend fanden.

Beim Schlössle als dem markantesten Bau in Höpfigheim begann die Tour, und über die Besonderheiten der früher von einem Wassergraben umgebenen Wehrburg, 1344 erstmals urkundlich erwähnt, informierte der aktuelle Bewohner, der ehemalige Landrat Ulrich Hartmann, persönlich: „Niemand weiß, warum die Burg einen Wassergraben hatte, das gab’s sonst eigentlich bloß im Flachland.“ Auch warum sie überhaupt errichtet wurde, sei unklar. „Es war eindeutig ein Schutzbau, aber in den Archiven ist nichts darüber zu finden, dass das Schlössle jemals belagert worden ist“, erklärte der Hausherr. Dabei sei die Aktenlage in Höpfigheim viel besser als in den anderen Orten der Umgebung, weil der Ort und das Schlössle alle Kriege unbeschadet überstanden hätten.

Nach einem Blick auf die ehemalige Zehntscheune, wo einst die Naturalabgaben an den Herrscher gelagert wurden, zog der versteckt in einem Hof gelegene Turm das Interesse der Besucher auf sich. „Er stammt wohl aus der Zeit vor 1580 und war von Anfang an Ortsgefängnis“, erklärte Albrecht Leize. „Heute ist er in Privatbesitz, und wie’s drinnen aussieht und wozu er genutzt wird, weiß keiner.“ „Vielleicht für unartige Kinder“, schlug eine Frau schmunzelnd vor.

Die Georgskirche ist nicht nur von außen sehenswert, sondern auch im Inneren.

Die im 15. Jahrhundert im Stil einer Chorturmkirche erbaute Georgskirche ist nicht nur von außen sehenswert, sondern beherbergt auch drei beeindruckende Grabmäler aus der Renaissance-Zeit. Wo die eigentlichen Gräber der beiden Herren Späth, die einst im Schlössle gewohnt haben, und Melchior Jägers samt den dazugehörigen Gattinnen sind, konnte der Experte dagegen nicht beantworten. Man habe lediglich auf einem alten Friedhof auch die Grabplatte von Melchior Jäger gefunden.

Nach einem Stopp beim Wittumhof und einer kurzen Besichtigung des alten Gewölbekellers, der früher der Kirche gehörte, sowie einem Schluck Eberhard-LudwigWein in der Kelter – der württembergische Herzog war einst auch Eigentümer des Schlossguts – ging’s zum abschließenden Highlight, der Werkstatt von Orgelbaumeister Klaus Kopetzki, der die Besucher mit seinem Fachwissen ebenso faszinierte wie mit seinem Spiel auf einer über zweihundert Jahre alten Orgel.

Kopetzki hat auch die Orgel für die Höpfigheimer Kirche gebaut. Ein Dreivierteljahr habe das gedauert, erzählte er am Sonntag den Teilnehmern der Führung. Denn Orgelbau ist auch heute noch weitgehend Handarbeit.

Menü